Diskussion zum Fernkurs AT 2018-19

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7 Kommentare zu Diskussion Fernkurs AT 2018-19

  • Manfred Schmidt Manfred Schmidt

    Das ist für unser herkömmliches Bibelverständnis tatsächlich gewöhnungsbedürftig.

    Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass das Buch in der hebräischen Bibel nicht unter den „Propheten“ einsortiert wurde, sondern unter den „Schriften“. Denn das Danielbuch steht tatsächlich an der Schnittstelle zu geistlich-theologischen Entwicklungen im Judentum der intertestamentalen Zeit (der Zeit zwischen AT und NT), in denen solche Praktiken gang und gäbe waren. Im Vergleich zu den anderen Schriften dieser Zeit, wie beispielsweise den nicht nur in Qumran beliebten den Henochbüchern, dem Jubiläenbuch etc., ist Daniel allerdings ausgesprochen orthodox.

    Zu den „Lesern“: Wir müssen uns hüten, unsere Sicht auf die damalige Zeit zu übertragen. Überspitzt gesagt: „Leser“ im heutigen Sinn gab es gar nicht – also Menschen, die sich eine Bibel zulegen, um zu verstehen, was sie sagt bzw. was Gott durch sie sagen will. Es gab keinen Buchdruck und keine Buchläden; nur wenige theologisch-priesterliche Zentren hatten solche Schriften überhaupt (v.a. am Tempel, und in priesterlich-kommunitären Gemeinschaften wie den Essenern (Qumran!). Dort schrieb man sie ab, studierte sie und verfasste evtl. selbst welche. Das heißt: Im Prinzip wurden die Schriften von den gleichen Fachleuten gelesen (und ausgelegt!), die sie auch verfasst hatten (oder hätten können). Ein „Vorgaukeln“ ist also weder möglich noch beabsichtigt. Im Gegenteil: Man war theologisch wohl der Ansicht, dass es genauso hätte sein können oder sogar sein müssen, wie man sich das dachte und in Büchern festhielt.

    Erst mit der weiteren Verbreitung der Synagogen änderte sich das allmählich. Aber auch dort wurden noch lange im Wesentlichen nur die Tora und erst später dann die Propheten vorgelesen. – Außerdem war selbst bei einem breiteren Zugang die Lesefähigkeit eines größeren Publikums sehr begrenzt gewesen. Zwar gab es zur Zeit Jesu wohl schon eine breitere „Volksbildung“, aber die Lesefähigkeit eines Durchschnittsjuden dürfte nicht besser gewesen sein als die eines heutigen durchschnittlichen (säkularen) Juden in den USA oder Deutschland, wenn es um Hebräisch geht. Man konnte das Alphabet, man konnte deshalb im Gottesdienst auch aus den Schriften vorlesen (privat hatte man sie ja nicht) – aber nur mit entsprechender, für die meisten wohl mühseliger, Vorbereitung der jeweiligen vorzutragenden Passage. Zu den kompetenten Spezialisten aus priesterlichem Hintergrund kamen dann im pharisäischen Raum (beginnend in der Zeit nach Daniel) allmählich die so genannten „Schriftgelehrten“/Rabbis hinzu, also Laien, die sich dem Schriftstudium widmeten; das war eine große Innovation. Sie standen allerdings der Apokalyptik eher distanziert gegenüber. Das Danielbuch schaffte es nur in den von ihnen erst 60-70 Jahre nach Jesu Tod festgelegten Kanon, weil seine Buß-Theologie für sie inhaltlich im Zentrum stand und die Krisen- und Verfolgungssituation, jetzt durch die Römer, eine große Nähe schaffte.

    Tipp: Wenn Arbeitsblätter und Vortrag sich inhaltlich mit dem gleichen Thema beschäftigen: unbedingt den Vortrag zuerst hören!

  • BernhardKaindl

    Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung, den Vortrag habe ich mir noch nicht angehört…
    Finde es trotzdem “gewöhnungsbedürftig”, dass den Lesern eine Prophetie “vorgegaukelt” wird/wurde…
    Oder war das den damaligen Lesern völlig klar?
    Viele Grüße!

  • Manfred Schmidt Manfred Schmidt

    Genau. Die Gründe sind dort genannt. Zum einen ist es die detaillierte Schilderung der Kriege des Antiochus, die für spätere Leser irrelevant ist. Zum andern sind es die unzutreffenden Prophezeiungen über die Eroberung Ägyptens und den Tod des Antiochus. Ein drittes: Keines der anderen prophetischen Bücher geht so vor. Im Vortrag zur Apokalyptik wird das nochmals ausführlich dargestellt (Folien Seite 5+6).

    Hinzu kommt eine eher grundsätzlich-theologische Überlegung: Wieso sollten die Kriege des Antiochus so wichtige sein, um sie in aller Detailgenauigkeit für spätere Zeiten festzuhalten, während das Kommen des Messias nur mit so vieldeutigen Bildern verkündet wurde, dass es (der Mehrzahl) Israels bis heute möglich ist, diese Stellen anders auszulegen? Wäre da nicht eine viel größere Detailgenauigkeit angebracht, schon um dem Volk Gottes die Hinwendung zu seinem Messias zu erleichtern?

  • BernhardKaindl

    Hallo zusammen,
    bin gerade beim Mai-Arbeitsblatt (Apokalyptik) auf Seite 18 (Daniel) und habe hier eine Frage.
    Es heißt unten beim Punkt a) “(…) Deswegen wird die jüngste Gegenwart geschildert, als wäre sie schon lang zuvor exakt so prophezeit worden.”
    Heißt das, das Daniel-Buch wurde bewusst so geschrieben und zusammengestellt, dass es klingt als wären politische Ereignisse vorhergesagt worden, diese aber in Wirklichkeit nie so vorhergesagt worden sind? Als Trost für die Juden während der hellenistischen Verfolgung? Oder habe ich etwas missverstanden oder bringe irgendwelche Zeiten durcheinander?
    Vielen Dank für eine Rückmeldung/Klarstellung!
    Viele Grüße,
    Bernhard

  • Pia Renk

    Hinweis: Die ZDF-Doku zu Pi-Ramesse ist noch bis 23.11.18 zum Download verfügbar. Im Vortrag 4 Geschichte Israels wird darauf hingewiesen. https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/aufgedeckt-stadt-der-pharaonen-102.html. Habe sie mir angesehen und finde diese sehr beeindruckend. GlG. Pia

  • Juergen Raesch Juergen Raesch

    Das ist auch ein Testkommentar.

  • Manfred Schmidt Manfred Schmidt

    Das ist ein Testkommentar

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