Diskussion zum Fernkurs NT 2019-20

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21 Kommentare zu Diskussion Fernkurs NT 2019-20

  • Zunächst muss man bei Mt 18,18 den „technischen“ Sprachgebrauch der jüdischen Rabbinen berücksichtigen, denn von dort stammt diese Formulierung: „Binden“ und „Lösen“ sind nicht zwei unterschiedliche Akte, sondern ein Doppelausdruck (Hendiadyoin) für das Treffen einer religionsrechtlich verbindlichen Entscheidung. In Mt 18 ist es die versammelte Gemeinde (!), die eine verbindliche Entscheidung über den Zuspruch der Vergebung trifft oder unterlässt. Ihr hat Jesus seine Vollmacht zugesprochen; sie übt sie aus durch einzelne Beauftragte. Vom Kontext her sind das die von Jesus berufenen Jünger (vgl. Mt 16,19 für Petrus). – Deshalb hat man die Sündenvergebung in der Kirchengeschichte auch immer an eine entsprechende Beauftragung gebunden. Beim gegenseitigen Sündenbekenntnis in Jak 5,16 sind vom Kontext her vielleicht ebenfalls noch die Ältesten im Blick, die Vertreter der Gemeinde; auf jeden Fall sind sie in die Ermahnung mit eingeschlossen.

    Also: Beim „Binden und Lösen“ geht es sicher nicht darum, jemand die Vergebung zu verweigern, der seine Verfehlung bereut – wohl aber, jemand nicht zur (gottesdienstlichen) Gemeinschaft zuzulassen, der das nicht tut. In der Alten Kirche hat sich daraus die Verweigerung der Eucharistie/des Abendmahls entwickelt; die Predigt durfte der „Sünder“ noch hören. Und wenn jemand heuchelt? Wenn Gott die Heuchelei zeigt, dann kann man keine Vergebung zusprechen (vgl. übertragbar: Apg 5). Müssen wir beurteilen, ob der Wunsch nach Vergebung echt ist? Nein; ins Herz schaut nur Gott. – Vielleicht lässt sich daraus auch schlussfolgern: Wenn Gottes Geist der Gemeinde zeigt, dass die Bitte um Vergebung nicht echt ist, dann muss man den Bittenden in einem seelsorgerlichen Prozess helfen, „echt“ zur werden.

  • Kihi

    Weil es im Vortrag noch mal genannt wurde: Mt 19,18
    Wieder ein Vers, mit dem ich kämpfe…
    Hat dieser priesterliche Zuspruch des “Lösens” vor allem einen seelsorgerlichen Charakter? Es tut gut, Vergebung zugesprochen zu bekommen und es nicht nur theoretisch zu wissen?!
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Gott uns die Vollmacht gibt, über Schuld und Vergebung zu entscheiden. Woher sollen wir wissen, ob der Gegenüber ernsthaft bereut? Die Konsequenz, jemandem einmal “zu viel” Vergebung zugesprochen zu haben,kann ich gut ertragen, aber den Gedanken, jemanden zu “binden” und das fälschlicherweise, den finde ich furchtbar. Nach dem Motto “was auf Erden gebunden, ist auch im Himmel gebunden”. Das entspricht nicht meinem Glauben. Gott entscheidet letztendlich und weiß, wie es um die Beziehung zu diesem Menschen steht.
    Aber welche Vollmacht spricht er uns dann in diesem Vers zu?
    (Auch das “Binden” kann in den seelsorgerlichen Kontext gesetzt werden, um den Mesnchen auf einen guten Weg zu bringen. Zu schnelles Zusprechen von Vergebung ist nicht immer hilfreich.)

  • Das Böse in der Bibel – und der Umgang damit – ist ein recht komplexes Thema. Ganz kurz gesagt: Es gibt verschiedene Ausprägungen des Bösen. Nur in Bezug auf die Dämonen, die Menschen quälen, hat Jesus seinen Jüngern die Vollmacht gegegeben, sie (in seiner Autorität) auszutreiben. Andere Formen des Bösen, wie die vielgestaltigen („himmlischen“) Mächte und Gewalten, die Mächte des Chaos und Satan selbst können wir nicht durch Gebieten austreiben. Hier können wir nur „widerstehen“, wie der berühmte Text Eph 6,10ff gleich viermal (!) anordnet. Sonst wäre es ja bei 2 Milliarden Christen, von denen sicherlich einige Tausend eine enorme Vollmacht haben dürften, ganz einfach, das Böse aus der Welt zu schaffen oder zumindest wirksam in die Schranken zu weisen.

    Auch die Erfahrung der letzten Jahrzehnte, in denen einige „Geistliche Kampfführung“ gegen solche Mächte gelehrt und praktiziert haben, zeigt, dass es nicht nur nicht in dem proklamierten Ausmaß funktioniert, sondern dass auch solche Personen selbst teilweise schwer Schaden genommen haben.

  • Kihi

    Manfred, vielen Dank für den Vortrag über das Vaterunser!!!

    Ich habe mal wieder eine Frage:

    “Sondern erlöse uns von dem Bösen”: Du sagst, dass (im charismatischen Raum) manche ins Proklamieren übergehen, den Mächten über Städten gebieten etc. statt auf der Bittebene zu bleiben. Der Fokus würde dadurch auf das Böse gelenkt statt auf Gott.
    Einerseits gebe ich dir Recht, wir müssen aufpassen, unser Augenmerk bei Gott zu belassen. Aber andererseits: Jesus hat doch auch Dämonen geboten, auszufahren als ein Beispiel. Wir haben die gleiche Vollmacht erhalten. Warum sollen wir nicht bösen Mächten in Jesu Namen gebieten, zu verschwinden, ob nun über Städten oder über einzelnen Menschen (sehr sensibles Thema) oder in welchen Situationen auch immer? Jesus stand nicht vor den Menschen und hat Gott darum gebeten, es zu tun, sondern Jesus selbst tat es (in Verbindung mit Gott). Aber wir täten es ja auch in Verbindung mit Gott. Verschenken wir damit nicht ein Stück Macht, die Gott uns zuteil werden lässt?

  • Die Situation ist komplexer:

    1) Für uns ist ein Stammbaum ein rein biologisches Abstammungsregister; die Antike hat hingegen ein ganzheitlicheres Verständnis. Es geht hier um das „Bestimmtsein-von“. Wenn z. B. Jesus von Joseph – nach unseren Begriffen inoffiziell – „adoptiert“ ist, ist er trotzdem voll und ganz „Nachkomme Davids“. Oder wenn Mt einfach im AT genannte Generationen auslässt, um auf die 3x14er-Genealogie zu kommen.

    2) Es hat schon früh verschiedene Harmonisierungsversuche für die beiden unterschiedlichen Stammbäume gegeben, die mit komplizierten Annahmen die Differenzen überbrücken:
    a) Leviratsehe (Julius Africanus, 3. Jh.). Die These lautet: Die Väter Josephs sind Halbbrüder (gleiche Mutter, andere Väter: Lk: Eli; Mt: Jakob). Eli stirbt kinderlos, Jakob heiratet dessen Frau (Leviratsehe); ihr gemeinsames Kind ist Joseph. Aber vor dem Gesetz bleibt Joseph der Sohn Elis, d.h.: Eli ist der gesetzliche Vater Josephs, Jakob der physische.
    b) Lukas überliefert den Stammbaum Marias. Maria ist als Nachkomme Davids eine „Erbtochter“ (vgl. Num 27,8; Neh 7,63), d.h. sie hat keine Brüder. In der offiziellen Erbfolge aber taucht der Name ihres Ehemanns auf. Zugleich wurde Joseph von Marias Vater Eli adoptiert.

    Diese Konstruktionen haben aber alle Schwachpunkte; bei b) etwa beispielsweise, dass Maria wegen ihrer Verwandtschaft mit Elisabet (Lk 1,5.36: „Stammverwandte“) eigentlich aus dem priesterlichen Stamm Levi (nicht Juda → David) kommen müsste.

    Die unterschiedlichen Stammbäume könnten auch damit zu tun haben, dass Herodes die offiziellen, in den Archiven aufbewahrten Stammbäume hatte verbrennen lassen. Dazu der Kommentar von Julius Africanus, der vielleicht in Jerusalem geboren war (ca. 160–240 n. Chr).: „Einige wenige jedoch konnten, weil sie sich entweder aus dem Gedächtnis oder durch Benützung von Abschriften Privatregister besorgt hatten, sich rühmen, die Erinnerung an ihre edle Abstammung gerettet zu haben. Zu diesen gehörten die Erwähnten, welche wegen ihrer Beziehung zu dem Geschlechte des Erlösers ‚Herrenverwandte’ (despósynoi) genannt wurden und welche sich von den jüdischen Dörfern Nazareth und Kochaba aus über das übrige Land ausgebreitet und die vorliegende Ahnentafel teils nach dem Gedächtnis, teils aus ihren Familienbüchern so gut wie möglich erklärt hatten.“ Dann fährt er fort: „Sei dem, wie ihm wolle, niemand dürfte eine verlässigere Erklärung finden können. Da man keine bessere und verlässigere Erklärung finden kann, wollen wir uns mit der erwähnten zufriedengeben, wenn sie auch nicht mit Beweisen belegt werden kann“ (überliefert bei Euseb, Kirchengeschichte, I,7,14f).

    Weiter kommen wir auch nicht. Letztlich wissen wir den „korrekten“ biologischen Stammbau Jesu nicht, zumal er – biologisch – ja nur über Maria laufen kann … Was wir aber zu erforschen versuchen können ist, was Matthäus und Lukas aussagen wollten und welche Überlieferungen sie dazu verwendeten. Das geschieht in den Arbeitsblättern.

  • Kihi

    Ein Stammbaum ist für mich etwas ziemlich starres, eindeutiges: Ich kann nur einen Vater haben, von dem ich abstamme. In Mt bzw. Lk ist der Stammbaum jedoch sehr unterschiedlich. Wie geht das? Hat es damit zu tun, dass, wenn ein Bruder keine Kinder bekam, der nächste Bruder mit derselben Frau Nachkommen für seinen verstorbenen Bruder zeugte? Wurden zur damaligen Zeit noch andere Verwandte mit einbezogen, nicht nur die direkten Eltern?
    Die Frage ist unabhängig von der dahinter stehenden theogischen Absicht gemeint.

  • Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da die Texte selbst sie nicht direkt beantworten. Aber für Zacharias gibt es einen Hinweis: „Denn dein Flehen ist erhört …“. Das heißt er hat – wohl jahrzehntelang – Gott um einen Sohn gebeten; als Gott dann (dramatisch!) antwortet, glaubt er nicht. Zudem sind er und seine Frau zaddiqim, „Gerechte“, also besonders gläubige und gottesfürchtige Personen, und zudem „alt“, also lebenserfahren und reif im Glauben. Als er dann als Priester im Heiligtum vor Gott steht und anbetet (das Rauchopfer darbringt), erscheint ihm dort ein Engel und verkündet die Erhörung seines Wunsches. Ausgerechnet hier tut sich Zacharias schwer, statt gottesfürchtig aus dem Zweifel Abrahams und Saras (in derselben Situation! Gen 17,17; 18,12-14) gelernt zu haben.

    Außerdem fragt er / verlangt er nach einem Zeichen. Und das bekommt er dann ja auch. Denn das Verstummen ist zwar unangenehm, aber keine eigentliche „Strafe“. Es ist vielmehr ein prophetisches Zeichen für Zacharias, aber auch das Umfeld. Darin hat Zacharias einen prominenten Vorläufer: Hesekiel, der ebenfalls verstummt, bis die Erfüllung eingetreten ist, Hes 3,26; 24,25-27; 33,21-22. Hesekiel wurde so zu einem „Wahrzeichen“ – und Zacharias ebenso.Vielleicht steckt sogar noch ein weitergehendes „Echo“ auf Hesekiel dahinter: Wie Hesekiels Verstummen der kommenden Zerstörung des Tempels galt, so wird mit der Geburt von Johannes und Jesus die endzeitliche Abschaffung des alten Tempels eingeleitet und der Bau des neuen: des Leibes Christi.

    Bei Maria liegt das Ganze anders: Die Botschaft ist tatsächlich unglaublich; für sie gibt es keinen Vorläufer, kein biblisches Vorbild. Es geschieht etwas noch nie Dagewesenes. Selbst Jes 7,14 („die Jungfrau wird schwanger werden …“) ist da keine Hilfe, denn im Hebräischen steht da nicht „Jungfrau“, sondern „junge Frau“ (obwohl die Bedeutung „Jungfrau“ durchaus möglich ist – nur eben nicht naheliegend). Außerdem ist Maria, anders als Zacharias, jung, eine Frau und Laie. Da ist die Frage, ja sogar der eventuelle Zweifel, verständlich – wie bei Abraham und Sara (s.o.). Trotzdem reagiert sie dann mit großer Bereitschaft und darüber hinaus mit einem Lobpreis nach dem biblischen Vorbild der Hanna in 1.Sam 2. Auch hier ist vielleicht ein Echo beabsichtigt: Wie die Geburt Samuels die Abschaffung des Königtums Gottes in Israel zugunsten einer menschlichen Königsherrschaft einleitet (1Sam 8,7), so wird die Geburt Jesu wieder die Königsherrschaft Gottes aufrichten (Lk 8,1; 10,9 etc; vgl. Mk 1,14f).

  • Kihi

    AB3 Seite 5: Vergleich Johannes / Jesus
    Diese Gegenüberstellung habe ich früher schon einmal gemacht und bin an der Frage hängen geblieben, wie unterschiedlich der Engel auf die Rückfrage Zacharias bzw. Marias reagiert: Bei Zacharias “bestrafend” aufgrund seiner zweifelnden Frage, bei Maria erklärend auf ihre Frage hin. Warum diese unterschiedliche Reaktion? Meine Gedanken sind folgende, aber ich könnte noch eine zweite Meinung gebrauchen 😉
    Zacharias ist ein Priester, mit der Tora vertraut, ein gottesfürchtiger Mensch. Er zweifelt an den Worten Gottes bzw. des Engels (WORAN kann ich das erkennen?), obwohl doch gerade er als Mann Gottes sich darauf verlassen sollte.
    Maria, junges Mädchen, als Frau verm. deutlich weniger mit der Tora vertraut, gesellschaftlich niedrig gestellt. Ihre Frage (WIE soll ich als Jungfrau ein Kind empfangen?) kann unterschiedlich gedeutet werden:
    a) Wie soll das bitte schön geschehen? (zweifelnd)
    b) Wie geht das? Erklär es mir bitte. Was wird mit mir geschehen? (glaubend, naiv, neugierig)
    Bei a) verstehe ich die Reaktion des Engels nicht. Bei b) ist sie nachvollziehbar.

    Was steckt hinter den unterschiedlichen Reaktionen des Engels?

  • Aus moderner Sicht hast Du sicher recht – wenn denn Chronologie ein absoluter Wert ist. Aber Lukas ist in erster Linie Evangelien-Verfasser, in zweiter Linie erst „Historiker“.
    Die Evangelientradition war durch die Überlieferung der Jerusalemer Urgemeinde, und hier insbesondere von Petrus (→ Mk), geprägt. Das gibt ihm den Rahmen vor. Sicherlich hat er nicht im heutigen Sinn „historisch“ gearbeitet, also mit einer unabhängigen, möglichst genauen Rekonstruktion der „bloßen Fakten“. Eher hat er text- und quellenkritisch gearbeitet (vgl. sein Vorwort). D.h. er hat nicht selbst eine unabhängige Chronologie Jesu erarbeitet, sondern die aus seiner Sicht bestmögliche im Anschluss an die ihm vorliegenden Quellen. (Spannend wäre es gewesen, wenn er das Johannesevangelium als weitere Quelle gehabt hätte …). Sicherlich wusste er auch, dass die „synoptische“ Evangelientradition verdichtet – und zwar ganz im Einklang mit antiken Gepflogenheiten. Er hat sein Evangelium wohl auch nicht als „Richtigstellung“ empfunden, sondern als einen alternativen Entwurf, der manches anders zur Sprache bringt. So integriert er z. B. einen Teil der Mk-Überlieferung in seinen langen Reisebericht. Ob das eine „Korrektur“ des Mk ist, oder aber eine „Ergänzung“ („auch auf dieser Reise hat Jesus entsprechendes gesagt/getan …“) muss im Einzelfall geklärt werden.

    Und Lukas ist auch im antiken Sinn Historiker, nicht im heutigen, insofern er bewusst auswählt – und also auch Erzählungen etc. von Mk und evtl. Mt weglässt. Das kann aus verschiedenen Gründen geschehen. Zum einen war der Umfang eines literarischen Werks notwendigerweise durch die maximale bzw. handhabbare Länge einer Schriftrolle begrenzt; Lk ist sowieso schon das längste aller Evangelien. Zum zweiten erfordert der Gesichtspunkt der Schwerpunktsetzung eine Auswahl; eventuell wird der Inhalt des ausgelassenen Materials durch andere Überlieferungen abgedeckt und/oder modifiziert. Und schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass Lukas damit rechnet, dass sein Evangelium neben, nicht anstatt dem des Mk oder Mt gelesen wird (das trifft für das Johannesevangelium zu).

    Das alles kann man bedauern; ein Nachteil gegenüber heutigen Vorgehensweisen ist es sicherlich nicht. Denn das generelle Bestreben antiker Schriftsteller war es, den tieferen Sinn der Geschehnisse zu erfassen, nicht eine (nur scheinbar) neutrale Darstellung bloßer Abläufe . Damit sind sie eigentlich wieder sehr modern. Wir wissen inzwischen, dass es keine neutralen Darstellungen gibt; alles ist mehr oder weniger „interessengeleitet“ . Jede Auswahl und die Auswertung der Fakten bezeugt das. Hier stoßen wir, so scheint mir, auf eine anthropologische Grundgegebenheit: Der Mensch ist auf Sinn hin angelegt: er versucht, überall einen Sinn zu entdecken – oder zu stiften. Anders können wir nicht leben; sonst bleibt nur die nihilistische Verzweiflung.

  • Kihi

    AB3, Seite 2, Punkt 3:
    Noch mal zur Chronogie: Widerspricht sich diese Aussage (Lk bemüht sich um eine möglichst genaue chronologische Reihenfolge) nicht mit der ein Jahres Darstellung des Dienstes Jesu? Lk kann schwer beidem gerecht werden: historisch, chronolgisch korrekt sein und gleichzeitig die geistliche Dimension Jesu Wirken in den Mittelpunkt stellen und dementsprechend die Chronologie aufweichen…

  • Klar! Danke! Wird korrigiert

  • Kihi

    Kleiner Hinweis: AB2 S.31 Fußnote 37
    “… die Tempelreinigung erst am Tag nach der Tempelreinigung…”
    Verm. nach dem Einzug in Jerusalem.
    😉

  • „Nicht chronologisch“ heißt nur, dass die Chronologie nicht der alles entscheidende Rahmen ist. Es heißt nicht, dass alles wild durcheinander geht. Die Evangelienüberlieferung ist mehrschichtig: teilweise, v.a bei wichtigen Eckdaten, ist sie natürlich klar chronologisch (ganz banal: zuerst Geburt, dann Taufe, dann Dienst und schließlich Kreuzigung und Auferstehung).

    Bestimmte Überlieferungen aber wurden thematisch in einem Block zusammengefügt, auch wenn die einzelnen Ereignisse nicht unmittelbar aufeinander folgten. So kann man sie besser lehren und behalten. Anderes hängt an wichtigen Orten: deshalb muss die Tempelreinigung in den Synoptikern nach hinten geschoben werden, weil Jesus da ja erst am Schluss nach Jerusalem kommt, usw. Vereinfacht kann man sagen: wenn die Chronologie (geistlich) wichtig ist, wird sie auch eingehalten. Wenn nicht, dann kann eine Überlieferung chronologisch an der richtigen Stelle stehen, muss es aber nicht. Herausfinden kann ich das a) durch einen synoptischen Vergleich und b) indem ich dann verschiedene Überlegungen anstelle, in die ich alle relevanten Fakten (soweit bekannt) einbeziehe.

    Bei den Reisen ins heidnische Gebiet von Tyrus/Sidon und die Dekapolis Mt 15 ist anzunehmen, dass da tatsächlich ein Zusammenhang mit den vorherigen Auseinandersetzungen bestand: Mt spricht von „Jesus … zieht sich zurück“, d.h. er „weicht (der Konfrontation) aus“. Das Motiv dürfte er nicht erfunden haben, erst recht, wenn er als einer der Zwölf dabei war. Auch bei Mk gehen dem Aufbruch Konfrontationen voraus. Lk hingegen lässt die ganz Reise inkl. ihres Höhepunkts, der Speisung der 4.000, aus. Er legt seinen Schwerpunkt ganz auf die bald anschließende „Reise nach Jerusalem“, die bei ihm 10 Kapitel lang ist (Lk 9,51-19,44).

  • Kihi

    Mt, Mk, Lk sind nicht geschichtlich chronologisch angeordnet, sondern fassen Jesu Wirken scheinbar in ein Jahr zusammen (in Gegensatz zu Johannes). In den AB liest es sich jedoch, als sei es historisch chronologisch. z.B. AB2 S.25 4.1.4: Jesus entzieht sich den immer heftiger werdenden Auseinandersetzungen… Ja? War das so? Oder hat das Mt enfach nur so angeordnet? Wann kann ich mich “darauf verlassen”, dass zwei hintereinander geschriebene Geschichten in Mt, Mk, Lk auch hintereinander geschehen sind?

  • Weil Mk 8,22ff/Lk 18,35ff die Parallele zu Mt 20,29-34 sind: der Ort ist jeweils Jericho, kurz vor dem Anstieg nach Jerusalem. Das Wunder Mt 9,27ff findet hingegen in Galiläa statt, möglicherweise in „dem“ Haus Jesu in Kapernaum (Mt 4,12; 9,28; 13,1.36; 17,25), vgl. die Übersetzung der NGÜ: „Sowie er zuhause angelangt war …“. Oder es ist ein Haus, in dem er übernachtete. Das hat keine synoptischen Parallelen.

  • Nanna Nanna

    Mich lässt die Frage nicht los, warum das Wunder 9 (AB 2, Seite 18) als Sondergut bezeichnet wird? Dieses Wunder beschreibt doch auch Markus, allerdings in anderer Reihenfolge (Mk 8,22-26 und10,46-52) und auch Lukas (Lk 18,35-43), der jedoch nur von einem Blinden erzählt. Ist die Bezeichnung Sondergut, weil die Geschichten der beiden Blinden an einer Stelle berichtet wird?

  • Ich denke, wir müssen uns von einer „mechanischen“ Sicht von Berufung und Bevollmächtigung lösen. Die Stellen des Neuen Testaments zeigen hier ein viel differenzierteres Bild:

    1) Es gab auch nichtmessianische jüdische Propheten, Exorzisten und Wundertäter (vgl. Mt 12,27).

    2) Mk 9,38 zeigt, dass das nicht unbedingt problematisch sein musste: einer, der Jesus nicht nachfolgte, trieb in seinem Namen Dämonen aus und Jesus wertete das – in diesem speziellen Fall! – positiv, wie auch der sonstige Kontext zeigt.

    3) In anderen Zusammenhängen aber ist es eine Anmaßung, die den Urhebern, offenbar professionellen Exorzisten, die damit ihr Geld verdienten, schlecht bekommt: Apg 19,13-16.

    4) Und eben Mt 7,15-23: Hier warnt Jesus davor, dass Menschen in seinem Namen auftreten, prophezeien, Dämonen austreiben und Wunder tun, ohne dass er sie wirklich kennt: Dabei kann zweierlei im Blick sein:
    a) Es handelt sich ursprünglich um Jünger Jesu, die sich aber innerlich von den Maßstäben Gottes entfernt haben. Gottes Gaben hingegen (Prophetie im engeren Sinn, Wunder) wirken oft auch dann noch weiter. Das ist dann eine Warnung an alle Jünger Jesu, sich nicht von der ihnen verliehenen Vollmacht berauschen zu lassen. Das entscheidende Kriterium ist der grundlegende Wille Gottes, die Tora. Die selbstzentrierten charismatischen Wundertäter hingegen leben nicht (mehr?) nach seinen Maßstäben, sie missachten das „Gesetz“, d.h. die Tora. Offenbar halten sie sich nicht an dessen ethische Maßstäbe (vgl. die „Lasterkataloge“ im NT [siehe AB7]; im prophetischen Kontext von 1Joh 2,4.9-11; Off 2,14f.20-23 wird konkret von der Bruderliebe und der Sexualität gesprochen). Vielleicht halten sie sich auch nicht an dessen religiöse Maßstäbe (z.B. Gott allein und sonst niemand zu verehren; die Behauptung der eigenen Sündlosigkeit 1Joh 1,8.10; die Menschwerdung des Gottessohns zu leugnen 1Joh 4,1).
    Der Begriff der „Lügenpropheten“ ruft dabei die Erinnerung an die Auseinandersetzungen unter den alttestamentlichen Propheten wach (z.B. Jer 14,14; 23,13-40; Hes 13).

    b) Die Bezeichnung als „Lügenpropheten“ kann zudem meinen, dass diese Personen im Innersten niemals wirklich zu Jesus gehörten; das wäre dann ähnlich wie in 1.Joh 2,4.19; 4,1 (Näheres dazu in AB 9).

  • Kihi

    Hi,
    Ich habe schon ewig meine Probleme mit Matthäus 7,22-23 (Vers 21 finde ich nachvollziehbar, nur weil ich Gott meinen Herr nenne, ist er es noch lange nicht.). Aber wenn jemand Wunder, Dämonenaustreibung in Jesu Namen tut, dann muss da doch etwas hinterstehen. Das können wir nicht ohne Gott. Ab hier wird es für mich unlogisch, wenn Jesus dennoch sagt, ich kenne dich nicht.
    Die Anmerkung im Skript dazu, hilft mir grad auch nicht weiter. Scheine da einen Denkfehler zu haben. 😉

  • Du hast Recht. In Ü2 ist es keine geschlossen Rede, sondern ein Dialog Jesu mit Martha ab 11,21.
    In der Fußnote 30 ist ein Fehler passiert. Sie müsste korrekt lauten: Mk 1,29-31‖; Mk 3,1-6‖; Mk 7,31-37; 8,22-26; Lk 13,10-17; 14,1-6; 17,11-19; 22,50f; (Joh 5,1-9).
    (Mt 12,9ff ist die Parallelstelle zu Mk 3,1-6)

  • Pia

    Ich habe zu einer Bibelstelle von Monat 1 eine Frage:
    Bei Ü2 ist auf S. 12 von einer Rede Joh 11 die Sprache. Welche Rede ist da gemeint?

    Und kann es sein, dass bei AB1 in der Fußnote 30 (S.15) Mt 12,9 gemeint ist und nicht Markus?

  • Testeintrag von Manfred

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