Diskussion zum Fernkurs NT 2019-20

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15 Kommentare zu Diskussion Fernkurs NT 2019-20

  • Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da die Texte selbst sie nicht direkt beantworten. Aber für Zacharias gibt es einen Hinweis: „Denn dein Flehen ist erhört …“. Das heißt er hat – wohl jahrzehntelang – Gott um einen Sohn gebeten; als Gott dann (dramatisch!) antwortet, glaubt er nicht. Zudem sind er und seine Frau zaddiqim, „Gerechte“, also besonders gläubige und gottesfürchtige Personen, und zudem „alt“, also lebenserfahren und reif im Glauben. Als er dann als Priester im Heiligtum vor Gott steht und anbetet (das Rauchopfer darbringt), erscheint ihm dort ein Engel und verkündet die Erhörung seines Wunsches. Ausgerechnet hier tut sich Zacharias schwer, statt gottesfürchtig aus dem Zweifel Abrahams und Saras (in derselben Situation! Gen 17,17; 18,12-14) gelernt zu haben.

    Außerdem fragt er / verlangt er nach einem Zeichen. Und das bekommt er dann ja auch. Denn das Verstummen ist zwar unangenehm, aber keine eigentliche „Strafe“. Es ist vielmehr ein prophetisches Zeichen für Zacharias, aber auch das Umfeld. Darin hat Zacharias einen prominenten Vorläufer: Hesekiel, der ebenfalls verstummt, bis die Erfüllung eingetreten ist, Hes 3,26; 24,25-27; 33,21-22. Hesekiel wurde so zu einem „Wahrzeichen“ – und Zacharias ebenso.Vielleicht steckt sogar noch ein weitergehendes „Echo“ auf Hesekiel dahinter: Wie Hesekiels Verstummen der kommenden Zerstörung des Tempels galt, so wird mit der Geburt von Johannes und Jesus die endzeitliche Abschaffung des alten Tempels eingeleitet und der Bau des neuen: des Leibes Christi.

    Bei Maria liegt das Ganze anders: Die Botschaft ist tatsächlich unglaublich; für sie gibt es keinen Vorläufer, kein biblisches Vorbild. Es geschieht etwas noch nie Dagewesenes. Selbst Jes 7,14 („die Jungfrau wird schwanger werden …“) ist da keine Hilfe, denn im Hebräischen steht da nicht „Jungfrau“, sondern „junge Frau“ (obwohl die Bedeutung „Jungfrau“ durchaus möglich ist – nur eben nicht naheliegend). Außerdem ist Maria, anders als Zacharias, jung, eine Frau und Laie. Da ist die Frage, ja sogar der eventuelle Zweifel, verständlich – wie bei Abraham und Sara (s.o.). Trotzdem reagiert sie dann mit großer Bereitschaft und darüber hinaus mit einem Lobpreis nach dem biblischen Vorbild der Hanna in 1.Sam 2. Auch hier ist vielleicht ein Echo beabsichtigt: Wie die Geburt Samuels die Abschaffung des Königtums Gottes in Israel zugunsten einer menschlichen Königsherrschaft einleitet (1Sam 8,7), so wird die Geburt Jesu wieder die Königsherrschaft Gottes aufrichten (Lk 8,1; 10,9 etc; vgl. Mk 1,14f).

  • Kihi

    AB3 Seite 5: Vergleich Johannes / Jesus
    Diese Gegenüberstellung habe ich früher schon einmal gemacht und bin an der Frage hängen geblieben, wie unterschiedlich der Engel auf die Rückfrage Zacharias bzw. Marias reagiert: Bei Zacharias “bestrafend” aufgrund seiner zweifelnden Frage, bei Maria erklärend auf ihre Frage hin. Warum diese unterschiedliche Reaktion? Meine Gedanken sind folgende, aber ich könnte noch eine zweite Meinung gebrauchen 😉
    Zacharias ist ein Priester, mit der Tora vertraut, ein gottesfürchtiger Mensch. Er zweifelt an den Worten Gottes bzw. des Engels (WORAN kann ich das erkennen?), obwohl doch gerade er als Mann Gottes sich darauf verlassen sollte.
    Maria, junges Mädchen, als Frau verm. deutlich weniger mit der Tora vertraut, gesellschaftlich niedrig gestellt. Ihre Frage (WIE soll ich als Jungfrau ein Kind empfangen?) kann unterschiedlich gedeutet werden:
    a) Wie soll das bitte schön geschehen? (zweifelnd)
    b) Wie geht das? Erklär es mir bitte. Was wird mit mir geschehen? (glaubend, naiv, neugierig)
    Bei a) verstehe ich die Reaktion des Engels nicht. Bei b) ist sie nachvollziehbar.

    Was steckt hinter den unterschiedlichen Reaktionen des Engels?

  • Aus moderner Sicht hast Du sicher recht – wenn denn Chronologie ein absoluter Wert ist. Aber Lukas ist in erster Linie Evangelien-Verfasser, in zweiter Linie erst „Historiker“.
    Die Evangelientradition war durch die Überlieferung der Jerusalemer Urgemeinde, und hier insbesondere von Petrus (→ Mk), geprägt. Das gibt ihm den Rahmen vor. Sicherlich hat er nicht im heutigen Sinn „historisch“ gearbeitet, also mit einer unabhängigen, möglichst genauen Rekonstruktion der „bloßen Fakten“. Eher hat er text- und quellenkritisch gearbeitet (vgl. sein Vorwort). D.h. er hat nicht selbst eine unabhängige Chronologie Jesu erarbeitet, sondern die aus seiner Sicht bestmögliche im Anschluss an die ihm vorliegenden Quellen. (Spannend wäre es gewesen, wenn er das Johannesevangelium als weitere Quelle gehabt hätte …). Sicherlich wusste er auch, dass die „synoptische“ Evangelientradition verdichtet – und zwar ganz im Einklang mit antiken Gepflogenheiten. Er hat sein Evangelium wohl auch nicht als „Richtigstellung“ empfunden, sondern als einen alternativen Entwurf, der manches anders zur Sprache bringt. So integriert er z. B. einen Teil der Mk-Überlieferung in seinen langen Reisebericht. Ob das eine „Korrektur“ des Mk ist, oder aber eine „Ergänzung“ („auch auf dieser Reise hat Jesus entsprechendes gesagt/getan …“) muss im Einzelfall geklärt werden.

    Und Lukas ist auch im antiken Sinn Historiker, nicht im heutigen, insofern er bewusst auswählt – und also auch Erzählungen etc. von Mk und evtl. Mt weglässt. Das kann aus verschiedenen Gründen geschehen. Zum einen war der Umfang eines literarischen Werks notwendigerweise durch die maximale bzw. handhabbare Länge einer Schriftrolle begrenzt; Lk ist sowieso schon das längste aller Evangelien. Zum zweiten erfordert der Gesichtspunkt der Schwerpunktsetzung eine Auswahl; eventuell wird der Inhalt des ausgelassenen Materials durch andere Überlieferungen abgedeckt und/oder modifiziert. Und schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass Lukas damit rechnet, dass sein Evangelium neben, nicht anstatt dem des Mk oder Mt gelesen wird (das trifft für das Johannesevangelium zu).

    Das alles kann man bedauern; ein Nachteil gegenüber heutigen Vorgehensweisen ist es sicherlich nicht. Denn das generelle Bestreben antiker Schriftsteller war es, den tieferen Sinn der Geschehnisse zu erfassen, nicht eine (nur scheinbar) neutrale Darstellung bloßer Abläufe . Damit sind sie eigentlich wieder sehr modern. Wir wissen inzwischen, dass es keine neutralen Darstellungen gibt; alles ist mehr oder weniger „interessengeleitet“ . Jede Auswahl und die Auswertung der Fakten bezeugt das. Hier stoßen wir, so scheint mir, auf eine anthropologische Grundgegebenheit: Der Mensch ist auf Sinn hin angelegt: er versucht, überall einen Sinn zu entdecken – oder zu stiften. Anders können wir nicht leben; sonst bleibt nur die nihilistische Verzweiflung.

  • Kihi

    AB3, Seite 2, Punkt 3:
    Noch mal zur Chronogie: Widerspricht sich diese Aussage (Lk bemüht sich um eine möglichst genaue chronologische Reihenfolge) nicht mit der ein Jahres Darstellung des Dienstes Jesu? Lk kann schwer beidem gerecht werden: historisch, chronolgisch korrekt sein und gleichzeitig die geistliche Dimension Jesu Wirken in den Mittelpunkt stellen und dementsprechend die Chronologie aufweichen…

  • Klar! Danke! Wird korrigiert

  • Kihi

    Kleiner Hinweis: AB2 S.31 Fußnote 37
    “… die Tempelreinigung erst am Tag nach der Tempelreinigung…”
    Verm. nach dem Einzug in Jerusalem.
    😉

  • „Nicht chronologisch“ heißt nur, dass die Chronologie nicht der alles entscheidende Rahmen ist. Es heißt nicht, dass alles wild durcheinander geht. Die Evangelienüberlieferung ist mehrschichtig: teilweise, v.a bei wichtigen Eckdaten, ist sie natürlich klar chronologisch (ganz banal: zuerst Geburt, dann Taufe, dann Dienst und schließlich Kreuzigung und Auferstehung).

    Bestimmte Überlieferungen aber wurden thematisch in einem Block zusammengefügt, auch wenn die einzelnen Ereignisse nicht unmittelbar aufeinander folgten. So kann man sie besser lehren und behalten. Anderes hängt an wichtigen Orten: deshalb muss die Tempelreinigung in den Synoptikern nach hinten geschoben werden, weil Jesus da ja erst am Schluss nach Jerusalem kommt, usw. Vereinfacht kann man sagen: wenn die Chronologie (geistlich) wichtig ist, wird sie auch eingehalten. Wenn nicht, dann kann eine Überlieferung chronologisch an der richtigen Stelle stehen, muss es aber nicht. Herausfinden kann ich das a) durch einen synoptischen Vergleich und b) indem ich dann verschiedene Überlegungen anstelle, in die ich alle relevanten Fakten (soweit bekannt) einbeziehe.

    Bei den Reisen ins heidnische Gebiet von Tyrus/Sidon und die Dekapolis Mt 15 ist anzunehmen, dass da tatsächlich ein Zusammenhang mit den vorherigen Auseinandersetzungen bestand: Mt spricht von „Jesus … zieht sich zurück“, d.h. er „weicht (der Konfrontation) aus“. Das Motiv dürfte er nicht erfunden haben, erst recht, wenn er als einer der Zwölf dabei war. Auch bei Mk gehen dem Aufbruch Konfrontationen voraus. Lk hingegen lässt die ganz Reise inkl. ihres Höhepunkts, der Speisung der 4.000, aus. Er legt seinen Schwerpunkt ganz auf die bald anschließende „Reise nach Jerusalem“, die bei ihm 10 Kapitel lang ist (Lk 9,51-19,44).

  • Kihi

    Mt, Mk, Lk sind nicht geschichtlich chronologisch angeordnet, sondern fassen Jesu Wirken scheinbar in ein Jahr zusammen (in Gegensatz zu Johannes). In den AB liest es sich jedoch, als sei es historisch chronologisch. z.B. AB2 S.25 4.1.4: Jesus entzieht sich den immer heftiger werdenden Auseinandersetzungen… Ja? War das so? Oder hat das Mt enfach nur so angeordnet? Wann kann ich mich “darauf verlassen”, dass zwei hintereinander geschriebene Geschichten in Mt, Mk, Lk auch hintereinander geschehen sind?

  • Weil Mk 8,22ff/Lk 18,35ff die Parallele zu Mt 20,29-34 sind: der Ort ist jeweils Jericho, kurz vor dem Anstieg nach Jerusalem. Das Wunder Mt 9,27ff findet hingegen in Galiläa statt, möglicherweise in „dem“ Haus Jesu in Kapernaum (Mt 4,12; 9,28; 13,1.36; 17,25), vgl. die Übersetzung der NGÜ: „Sowie er zuhause angelangt war …“. Oder es ist ein Haus, in dem er übernachtete. Das hat keine synoptischen Parallelen.

  • Nanna Nanna

    Mich lässt die Frage nicht los, warum das Wunder 9 (AB 2, Seite 18) als Sondergut bezeichnet wird? Dieses Wunder beschreibt doch auch Markus, allerdings in anderer Reihenfolge (Mk 8,22-26 und10,46-52) und auch Lukas (Lk 18,35-43), der jedoch nur von einem Blinden erzählt. Ist die Bezeichnung Sondergut, weil die Geschichten der beiden Blinden an einer Stelle berichtet wird?

  • Ich denke, wir müssen uns von einer „mechanischen“ Sicht von Berufung und Bevollmächtigung lösen. Die Stellen des Neuen Testaments zeigen hier ein viel differenzierteres Bild:

    1) Es gab auch nichtmessianische jüdische Propheten, Exorzisten und Wundertäter (vgl. Mt 12,27).

    2) Mk 9,38 zeigt, dass das nicht unbedingt problematisch sein musste: einer, der Jesus nicht nachfolgte, trieb in seinem Namen Dämonen aus und Jesus wertete das – in diesem speziellen Fall! – positiv, wie auch der sonstige Kontext zeigt.

    3) In anderen Zusammenhängen aber ist es eine Anmaßung, die den Urhebern, offenbar professionellen Exorzisten, die damit ihr Geld verdienten, schlecht bekommt: Apg 19,13-16.

    4) Und eben Mt 7,15-23: Hier warnt Jesus davor, dass Menschen in seinem Namen auftreten, prophezeien, Dämonen austreiben und Wunder tun, ohne dass er sie wirklich kennt: Dabei kann zweierlei im Blick sein:
    a) Es handelt sich ursprünglich um Jünger Jesu, die sich aber innerlich von den Maßstäben Gottes entfernt haben. Gottes Gaben hingegen (Prophetie im engeren Sinn, Wunder) wirken oft auch dann noch weiter. Das ist dann eine Warnung an alle Jünger Jesu, sich nicht von der ihnen verliehenen Vollmacht berauschen zu lassen. Das entscheidende Kriterium ist der grundlegende Wille Gottes, die Tora. Die selbstzentrierten charismatischen Wundertäter hingegen leben nicht (mehr?) nach seinen Maßstäben, sie missachten das „Gesetz“, d.h. die Tora. Offenbar halten sie sich nicht an dessen ethische Maßstäbe (vgl. die „Lasterkataloge“ im NT [siehe AB7]; im prophetischen Kontext von 1Joh 2,4.9-11; Off 2,14f.20-23 wird konkret von der Bruderliebe und der Sexualität gesprochen). Vielleicht halten sie sich auch nicht an dessen religiöse Maßstäbe (z.B. Gott allein und sonst niemand zu verehren; die Behauptung der eigenen Sündlosigkeit 1Joh 1,8.10; die Menschwerdung des Gottessohns zu leugnen 1Joh 4,1).
    Der Begriff der „Lügenpropheten“ ruft dabei die Erinnerung an die Auseinandersetzungen unter den alttestamentlichen Propheten wach (z.B. Jer 14,14; 23,13-40; Hes 13).

    b) Die Bezeichnung als „Lügenpropheten“ kann zudem meinen, dass diese Personen im Innersten niemals wirklich zu Jesus gehörten; das wäre dann ähnlich wie in 1.Joh 2,4.19; 4,1 (Näheres dazu in AB 9).

  • Kihi

    Hi,
    Ich habe schon ewig meine Probleme mit Matthäus 7,22-23 (Vers 21 finde ich nachvollziehbar, nur weil ich Gott meinen Herr nenne, ist er es noch lange nicht.). Aber wenn jemand Wunder, Dämonenaustreibung in Jesu Namen tut, dann muss da doch etwas hinterstehen. Das können wir nicht ohne Gott. Ab hier wird es für mich unlogisch, wenn Jesus dennoch sagt, ich kenne dich nicht.
    Die Anmerkung im Skript dazu, hilft mir grad auch nicht weiter. Scheine da einen Denkfehler zu haben. 😉

  • Du hast Recht. In Ü2 ist es keine geschlossen Rede, sondern ein Dialog Jesu mit Martha ab 11,21.
    In der Fußnote 30 ist ein Fehler passiert. Sie müsste korrekt lauten: Mk 1,29-31‖; Mk 3,1-6‖; Mk 7,31-37; 8,22-26; Lk 13,10-17; 14,1-6; 17,11-19; 22,50f; (Joh 5,1-9).
    (Mt 12,9ff ist die Parallelstelle zu Mk 3,1-6)

  • Pia

    Ich habe zu einer Bibelstelle von Monat 1 eine Frage:
    Bei Ü2 ist auf S. 12 von einer Rede Joh 11 die Sprache. Welche Rede ist da gemeint?

    Und kann es sein, dass bei AB1 in der Fußnote 30 (S.15) Mt 12,9 gemeint ist und nicht Markus?

  • Testeintrag von Manfred

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